Monitoring-2006

Forschung mit Kammsesternen

Zwischen 1973 und 1982 untersuchte ein Forschungsteam des Zoologischen Museums der Universität Zürich die Biologie und Ökologie von Kammseesternen (Astropecten) an der Costa Colostrai im Südosten Sardiniens. Als Diplomand und später Doktorand gehörte auch der Schreibende zum Team. 1999, nach fast 20-jährigem Unterbruch, suchte ich mit einem Teil des damaligen Forschungsteams (Heinz Maag, Verena Lubini, Peter Jost, sowie neu Patrick Steinmann)  die gleichen Gebiete von damals wieder auf. Unsere Beobachtungen zeigten teilweise erhebliche Veränderungen:

  • An ufernahen Sandstränden (bis 15m Tiefe) haben die Populationen von zwei Seesternarten Astropecten aranciacus und Astropecten bispinosus stark, um ca. Faktor 10, abgenommen.
  • Astropecten jonstoni, die dritte der früher beobachteten Arten, wurde in etwa halber Bestandesdichte von einst aufgefunden.
  • Die Tiefengrenze des kleinen Seegrases, Cymodocea nodosa, als wichtige Pflanze auf Sandböden, hat sich von ehemals 9m auf 15m Wassertiefe zurückgezogen.
  • Die Bestandesdichten und Diversitäten der Beutetiere (Muscheln, Schnecken und irregulären Seeigeln) aller drei Seesternarten sind gleich geblieben. Nahrungsknappheit als Grund für die Dichteabnahme der Seesterne schied also von Beginn weg aus.

Mit den Ergebnissen von 1999 war der erste Schritt zu einer weiteren  Runde Seesternforschung getan. Dies, zumal auch Prof. Dr. G. Ribi vom Zoologischen Museum der Universität Zürich Interesse an weiteren Untersuchungen zeigte.

Heute beschäftigt sich das „Seesternteam“ vor allem mit Fragen nach den Ursachen die für den Rückgang der Bestandesdichten von Kammseesternen in ufernahen Zonen verantwortlich sind. Neben den intensiven Untersuchungen an der Costa Colostrai wurden mittlerweile punktuell auch Erhebungen um Sardinien und anderen Orten im Mittelmeer durchgeführt (Italien (Festland), Frankreich, Spanien, Griechenland und Kroatien).

Seesternkrankheit und Seestern-Monitoring 2006 an der Südost- und Südküste Sardiniens         

Seit 1999 beobachten wir eine laufende Abnahme der Bestandesdichten der  Kammseesterne an der Costa Colostrai. Dem gegenüber stellen wir in den letzten fünf Jahren auch eine ansteigende Mortalität der Seesterne in den Monaten Juli, August und September fest. Dabei erkranken die Tiere unter sichtbaren Auflösungserscheinungen und sterben als Folge der Krankheit in kurzer Zeit. Vieles deutet darauf hin, dass als Folge der Klimaerwärmung die zunehmend hohen Wassertemperaturen während den Sommermonaten die Ursache für die hohe Sterblichkeit der Seesterne ist. Verschiedene Indizien sprechen auch dafür, dass bei hohen Wassertemperaturen Bakterien die Seesterne erkranken lassen und schliesslich auch umbringen.

Vom 20. Juli bis 10. August und vom 16. September bis 10. Oktober 2006 machte das Team osserMare ein Monitoring der Seesternpopulationen (Kammseesterne, Astropectinidae) im Südosten und Süden Sardiniens. Dabei wurden Populationen der ufernahen Zone zwischen 3 und 8m Wassertiefe an zehn Sandstränden entlang der Route zwischen Tortoli und Porto Pino erfasst.

Mit dem Monitoring 2006 stellten wir uns folgende Aufgaben:

  • Schätzung der relativen Bestandesdichten von Astropectiniden, vorab von Astropecten jonstoni, entlang verschiedener Küstenabschnitte in 3 – 8 m Wassertiefe.
  • Abschätzen des Gesundheitszustandes der Seesterne an den aufgesuchten Küstenabschnitten.
  • Haltung, Beobachtung und Protokollieren von Seesternen während ca. einer Woche auf dem Segelschiff „Santa Gallina“ mit anschliessendem Infektionsexperiment.
  • Entnahme von mikrobiologischen Abstrichen an gesunden und kranken Tieren zur späteren Untersuchung auf Bakterien.
  • Nebenprojekt: Filmaufnahmen von Langusten für SFDRS-Netz-Natur.

An den Tauchfahrten auf der „Santa Gallina“ beteiligten sich:

  • Carola Maffioli, Praktikantin in Umweltwissenschaften, ETH Zürich
  • Claudia Feurer, Naturwissenschaftliche Assistentin
  • Jerome Feurer, Schüler
  • Luca De Giovanetti, Praktikant in Umweltwissenschaften, ETH Zürich
  • Lukas Schärer, Student alter Sprachen und Archeologie, Universität Lausanne
  • Reto Haas, Student in Umweltwissenschaften, ETH Zürich
  • Rolf Schärer, Projektleiter
Aus den Bildern rechts ist zu entnehmen, dass kranke und tote Seesterne gefunden wurden. Leider präsentierte sich uns oft ein erschreckendes Bild.
Astropecten jonstoni
Astropecten bispinosus
Astropecten aranciacus
Der Segelkat Santa Gallina
Sammeln von Seesternen
Dichtenbestimmung mit Rechen
Beobachtungen an Seesternen
Beginnende Erkrankung an einem Astropecten aranciacus
Beginnende Erkrankung bei Astropecten jonstoni
Typisches Symptom: austretende Gedärme
Astropecten jonstoni gräbt sich aus dem Sand; am Arm unten liegt ein Teil des Darms frei
Probenentnahme zur bakteriellen Untersuchung
Was 48 Stunden nach Ausbruch der Krankheit von einem Seestern noch übrigbleibt