Monitoring-2005 - Isola di Mal di Ventre -

Projekt-2005

In den vergangenen Jahren wurden rund um Sardinien (und auch im gesamten Mittelmeer) zunehmend marine Schutzzonen ausgeschieden. Damit fand und findet eine erfreuliche Wende zum umweltbewussten Handeln im Mittelmeer statt. Dies ist eine ermutigende Entwicklung. Das Ausscheiden mariner Schutzzonen alleine genügt jedoch nicht. Es ist sehr wichtig, dass innerhalb und ausserhalb dieser Zonen regelmässig die biologische Diversität bestimmt wird.

  • Arten-Inventare und Dichtebestimmungen bei ausgewählten Arten (Keyspecies) geben Aufschluss über den Zustand innerhalb und ausserhalb mariner Schutzzonen. Das regelmässige Erstellen von Arten-Listen und Erfassen von Keyspecies zeigt klar die Wirkung mariner Schutzzonen auf und dient auch einer Qualitätssicherung der untersuchten Schutzzonen.
  • Marine Schutzzonen werden mehr oder weniger ferngehalten von direkten anthropogenen Einflüssen (wie Fischen, Tauchen, Ankern, Tourismus, etc.), nicht aber von anthropogenen Einflüssen welche rund um das gesamte Mittelmeer wirken (wie Verschmutzung, Temperaturanstieg, etc.) Veränderungen der Bio-Diversität in marinen Schutzzonen zeigen damit eine Veränderung des Gesamtzustandes des umliegenden Meeres auf. Marine Schutzzonen sind deshalb auch wichtige Indikatoren (Keypoints).

Mit Beobachtungen in marinen Schutzzonen kann also auf zwei Ebenen gearbeitet werden. Auf den Ebenen Arteninventare/Keyspecies und Keypoints.
Isola di Mal di Ventre

Im Sommer 2005 konnten wir in der „Area marina protetta“ bei Cabras um die Isola di Mal di Ventre, ein erstes Bio-Monitoring durchführen. Dabei ging es in erster Linie darum, einfache und taugliche Methoden für ein späteres Monitoring zu evaluieren.

Die Methoden sollten folgende Bedingungen erfüllen:

  • Sie sollen Aussagen über den biologischen Zustand des ausgewählten Ortes machen.
  • Sie sollen nach Jahren reproduzierbar sein.
  • Sie sollen auch von gut eingeführten Taucher/innen und Nicht-Biologinnen und Biologen durchgeführt werden können.
  • Sie sollen kostengünstig sein.
Wissenschaftlich und technisch wurde das Projekt durch das Forschungs- und Tauchteam des Zoologischen Museums der Universität Zürich unterstützt. Logistische und administrative Hilfe erhielt das Projekt durch die „Direzione area marina protetta di Cabras.
Am Pilotprojekt beteiligt waren:
  • Annette Stähli, Biologiestudentin an der Universität Zürich
  • Claudia Feurer, Naturwissenschaftliche Assistentin
  • Fatma Aras, Studentin an der Maturitätsschule für Erwachsene (ISME)
  • Heinz Maag, Berufstaucher und Techniker an der Universität Zürich
  • Mathias Gmür, Student an der Maturitätsschule für Erwachsene (ISME)
  • Rolf Schärer, Biologe und Projektleiter
  • Simon Schweizer, Student an der Maturitätsschule für Erwachsene (ISME)

(ISME: interstaatliche Maturitätsschule für Erwachsene)

Ergebnisse-Monitoring-2005

Das Arbeiten mit Nicht-Biologen und Biologinnen:

  • Das Bestimmen von Arten vor Ort (unter Wasser) macht Mühe. Probenentnahmen mittels Sammeln, Fotografieren und Filmen sind unbedingt notwendig. Bestimmungen können dann an Land mit fachlicher Begleitung am gesammelten Material durchgeführt werden.
  • Die Bestimmung der Dichten verschiedener Arten bei einem genau definierten Auftrag und bewährter, einfacher Methode macht wenig Mühe.
  • Vor dem Einsatz im Meer müssen unerfahrene Laien genau und ausführlich auf ihren Auftrag vorbereitet werden.
  • Nach den Erfahrungen aus dem Projekt Isola di Mal di Ventre können auch Nicht-Biologen und Biologinnen bei gut bestimmbaren und zählbaren Arten, sowie einfach gewählten Methoden erfolgreich an einem marinen Monitoring teilnehmen.

Evaluation von Methoden:

Die Wahl der möglichen Methoden für ein Laien-Monitoring wird durch folgende Faktoren eingeschränkt:

  • Der Einsaz von Laien ist zeitlich beschränkt.
  • Die taucherischen Erfahrungen der Teilnehmenden sind oft sehr unterschiedlich.
  • Auch die biologischen Vorkenntnisse können sehr verschieden sein.
  • Wenn überhaupt, sind nur selten genügend finazielle Mittel verfügbar.

Unter diesen Voraussetzungen ist es sinnvoll, das Monitoring mit Nicht-Biologen und Biologinnen auf sesshatfte, oder mehr oder weniger stationäre, gut bestimmbare Arten zu beschränken. Dabei lassen sich je nach Arbeitsort folgende Methoden anwenden:

Sandboden:

  • Dichtebestimmungen von Sandbewohnern wie Muscheln, Schnecken, irreguläre Seeigel, ........ mittels Sandproben die an Land ausgewertet werden.
  • Dichtebestimmungen von Wirbellosen (z.B.) Seesternen mittels Rechen.
  • Dichtebestimmungen von Potamogetonaceae (Laichkrautgewächse wie Cymodocea nododa .....) mittels zählen auf bestimmten Flächen.
  • Relative Dichteschätzungen einiger Fischarten und Invertebraten mittels wiederholtem zählen auf bestimmten Flächen oder Transekten.
  • Relative Dichteschätzungen einiger Fischarten und Invertebraten mittels fotografischer Erfassung (stationäre Kamera).

Posidonia:

Posidoniagründe sind sehr Artenreich und schwierig zu überschauen. Neben einer Dichteschätzung von Posidonia oceanica lassen sich mit Laien wohl nur für wenige Arten die relativen Dichten schätzen.

  • Dichtebestimmung von Posidonia oceanica mittels zählen auf bestimmten Flächen.
  • Dichtebestimmung der Epifauna/flora auf Blättern von Posidonia mittels zählen.
  • Relative Dichteschätzungen weniger, ausgewählter Fischarten und Invertebraten mittels wiederholtem zählen auf bestimmten Flächen oder Transekten.
  • Relative Dichteschätzungen weniger, ausgewählter Fischarten und Invertebraten mittels fotografischer Erfassung (stationäre Kamera).

Fels und Geröll:

Auch Fels- und Geröllgründe sind sehr Artenreich. Sie sind jedoch überschaubarer als die Posidoniagründe. Ein Monitoring an sesshaften, gut bestimmbaren Makroinvertebraten ist für Laien gut durchführbar.

  • Dichtebestimmungen ausgewählter Invertebraten mittels zählen auf bestimmten Flächen.
  • Relative Dichteschätzungen ausgewählter Fischarten und Invertebraten mittels wiederholtem zählen auf bestimmten Flächen oder Transekten.
  • Relative Dichteschätzungen ausgewählter Fischarten und Invertebraten mittels fotografischer Erfassung (stationäre Kamera).

Zwei Beispiele unserer Ergebnissen vom Sommer 2005:

Artenliste um die Isola di Mal di Ventre (Teilbericht)

Biomonitoring um die Isola di Mal di Ventre (Teilbericht)

Startklar in Cabras
Das Basislager auf der Insel
Ausblick vom Basislager
Ab ins Wasser
Entnahme von Sandproben
Auch andere graben im Sand
Vorsicht. Trachinus araneus
Protokoll in der Posidonia
Sammel von Posidoniablätter
Fotografisches Protokoll
Arbeit mit Bestimmungstafeln
Protokoll auf Steingrund
Echinaster sepositus bei der Abgabe von Spermien
Aufgetaucht
Untersuchungen auf der Insel
Untersuchungen auf der Insel
Inselleben
Abreise von der Insel mit dem Schiff des marinen Schutzgebietes von Cabras
Hatten wir immer alles im Griff? Na ja meistens.
Bilder: Mathias Gmür und Rolf Schärer